Meine Reise ins Ungewisse

Nun bin ich seit sechs Monaten auf Reisen. Derzeit befinde ich mich in Namibia und die Entscheidung hier her zu kommen war ein Abenteuer. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet, außer Folgendes:

  • ich kann kostenfrei auf einer nahezu verlassenen Farm unterkommen (großer Dank Volker!),
  • dort habe ich kein Internet,
  • die nächste Stadt ist 35 Kilometer entfernt, ein Bus fährt nicht,
  • mir ein Auto zu leihen kostet mich mehr, als mein Budget hergibt,
  • ich habe zugesagt.

Tatsächlich habe ich mir vor meiner Reise nach Namibia viele Gedanken gemacht. Wo sollte ich arbeiten? Ok – dann fahre ich eben täglich 70 Kilometer. Woher nehme ich das Geld für Sprit? Das wird sich schon irgendwie finden. Was mache ich, wenn es mir zu einsam ist und ich mich nicht wohlfühle? Dann fliege ich wieder zurück. Niemand zwingt mich, zu bleiben.

Verlassen Farm Nambibia

Blick auf meine kleine, verlassene Farm

Und nun bin ich hier. Das Land selbst hat mich vom ersten Augenblick an begeistert. Die Natur ist so vielfältig und anders als bei uns im heimischen Norden. Von üppigem Grün bis zur riesigen Wüste Namib, in deren Inneren sich die Mondlandschaft ausbreitet – ein Fleckchen Erde das tatsächlich aussieht, als sei es ein Stück vom Mond.

Und inmitten dieses Fleckchens liegt meine einsame Farm.

Es findet sich alles

Doch so einsam, wie erst angenommen, ist es hier gar nicht. Tatsächlich ist alles so, wie ich es mir gewünscht habe, ohne mir dessen bewusst zu sein. Etwa 400 Meter von meiner Farm entfernt liegt eine Gästefarm, die von einer vierköpfigen Familie betrieben wird – Goanikontes. Am ersten Tag fuhr ich rüber, stellte mich kurz vor und fragte, ob es Internet gibt. Ich kann die gefühlten Sprünge in die Luft gar nicht zählen, als mir dies bestätigt wurde. Also brauche ich nicht täglich 70 Kilometer zu fahren und muss nur den Roibuschtee zahlen, den ich dort trinke. Perfekt.

Spaziergang mit Kindern und Hund

Spaziergang mit den Kids und Hund Flitzi

Doch es geht noch perfekter.

Als ich am kommenden Tag mit meinem Laptop zu dieser Gästefarm ging, wurde ich spontan in die Familie aufgenommen. Die Frage war, ob ich mir vorstellen kann, die Kids regelmäßig aus der 35 Kilometer entfernten Schule abzuholen, selbstverständlich mit dem Auto der Farmbetreiber. Dafür könne ich im Gastronomiebetrieb an meinem Laptop arbeiten und umsonst trinken und sogar essen. Da gab es für mich nichts zu überlegen. Ich sagte zu.

Inzwischen läuft unser Deal seit drei Wochen und ich bin so unglaublich dankbar. Das Zusammensein mit den Kids macht mir mehr Spaß, als ich anfangs angenommen habe. Ich war immer ein Kindermuffel (Kinder in Maßen ok – aber ich verbringe doch nicht meine Freizeit mit ihnen! Vor allem jetzt nicht, wo mein eigenes Kind ein junger Mann geworden ist), doch die beiden habe ich richtig ins Herz geschlossen. Dadurch lerne ich Namibia von einer ganz anderen Seite aus kennen. Ich gehe auf Schulfeste, hole die Kids von ihren Freunden ab und bringe den Farmhund zum Tierarzt. Mein Auto nutze ich so gut wie gar nicht, da ich häufig mit dem Wagen der Farmer unterwegs bin. Und außerdem habe ich durch die festgelegten Zeiten (Schulschluss) einen geregelten, festen Tagesablauf – und das tut meiner Arbeit extrem gut.

Vom verlassen meine Komfortzonen

Düne 7 Walvis Bay

Düne 7 bei Walvis Bay

Der Sprung ins Ungewisse war ein voller Erfolg für mich, so wie er es doch meistens ist. Allerdings war er auch Verbunden mit viel Aufregung, vielen Ängsten und Zweifeln. Insofern kann ich noch nicht sagen, dass ich mich traue, mir all meine Wünsche trotz bestehender Ungewissheiten zu erfüllen. Doch dort möchte ich hinkommen – Stück für Stück. Im Augenblick gehe ich immer wieder zurück in meine vertrauen Komfortzonen, so auch Ende Mai. Statt direkt von Namibia aus in das nächste mir unvertraute Abenteuer aufzubrechen, gehe ich erst mal wieder zurück nach Ägypten. Meine Komfortzonen sind wie Rastplätze, an denen ich eine Pause einlege, in dem Wissen, was mich erwartet. Allerdings auch in dem Wissen, dass ich von dort aus nicht weiter komme. Weiter geht es nur, wenn ich mich auf etwas Neues einlasse – räumlich oder emotional.

Mal sehen, was die kommenden sechs Monate für mich noch bereithalten und welche Abenteuer ich machen werde. Welche Komfortzonen ich verlasse, um neue aufzubauen, welche Länder ich noch bereise und an welche Grenzen in stoße.

Ein leben lang auf Reise

Mondlandschaft Namibia

Blick auf die Mondlandschaft Namibia

Nehme ich es ganz genau, bin ich nicht erst seit sechs Monaten auf Reisen, sondern bereits ein Leben lang. Denn meine Komfortzonen habe ich auch in der Heimat ein ums andere Mal verlassen und viele Abenteuer erlebt. Doch es klingt natürlich interessanter, wenn ich sage, ich komme auf einer verlassenen Farm unter, als zu sagen ich wechsle meinen Job oder ich renoviere meine Wohnung, obwohl mir das Geld dazu fehlt. Den Mut etwas Neues zu wagen brauchen auch die kleinen Veränderungen im Leben. Mal Nein zu jemandem zu sagen, einen Auftrag nicht anzunehmen, den Job zu wechseln oder nach Jahren eine neue Frisur auszuprobieren – all das ist aufregend und erfordert Mut.

Doch wenn wir diesen Mut aufbringen, egal wo, dann begeben wir uns auf die Reise, die Leben genannt wird. Und die ist spannend und immer wieder aufregend. In Namibia genauso wie in Deutschland.

Ich wünsche Euch viel Spaß bei Eurem Abenteuer!

4 Gedanken zu „Meine Reise ins Ungewisse

  1. Torsten

    Liebe Viola,
    toller Artikel über das Verlassen der KomfortZone mit all den Ängsten und Schwierigkeiten, die einem da so begegnen.
    Ich habe mich mitgenommen gefühlt und gefreut, als du Internet und gleich ein Auto dazu bekamst,… Ja und ebenso, dass du dich mit Kindern so wohl fühlst, auch wenn das nie dein Ding war ;-)…
    Kinder sind im Moment, sie lernen spielerisch und entdecken freudig die Welt, mach weiter so – großartig
    Herzlich, Torsten

  2. Angela

    Liebe Viola,

    vielen Dank für deinen Artikel! Ich freue mich total für dich, dass es dir so gut geht! 
    Bitte schau in deine Mailbox – habe dir eine “altmodische” Mail geschrieben 😉

    LG, Angela

  3. viola Artikelautor

    Danke lieber Torsten, für das tolle Feedback.
    Ja, das stimmt, die Kinder sind noch so ungehemmt, dass ist vielleicht auch das, was ich gerade sehr genieße 🙂

  4. viola Artikelautor

    Liebe Angela,
    es freut mich so, dass Du meine Artikel ließt und auf diesem Weg mitbekommst, wo ich mich gerade befinde. Mailbox ist gechekt und geantwortet auch.
    Liebe Grüße
    Viola

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